Kamille v1.19 – Handbuch

Kamille senkt gezielt die Prozessorleistung, um Temperatur, Lüfterlärm und Energieverbrauch zu reduzieren – und zeigt dabei die CPU- und GPU-Temperatur direkt in der Taskleiste an. Seit Version 1.18 ermittelt Kamille die Grenztemperatur des Prozessors selbst und regelt danach, statt allein nach der Auslastung. Ein eigener, schlanker Ersatz für die App „Camomile“.

1. Installation – Schritt für Schritt

Kamille braucht keine Installation im eigentlichen Sinne. Es genügt ein Ordner mit den Programmdateien – dieser lässt sich jederzeit verschieben oder auf einen anderen Rechner mitnehmen.

Was Sie vorher brauchen

VoraussetzungWozuWoher
Windows 10 oder 11Kamille ist Windows-spezifisch–
Python 3.10 oder neuer, 64 Bit zum Starten und zum Bauen der exe python.org – beim Setup unbedingt „Add python.exe to PATH“ ankreuzen
Administratorrechtenur zum Auslesen der Temperatursensoren–

Die vier Schritte

  1. ZIP entpacken.
    Die Datei kamille_v1.19.zip in einen Ordner Ihrer Wahl entpacken, zum Beispiel C:\Programme_Eigene\Kamille\ oder auf einen USB-Stick. Der Ort spielt keine Rolle – nur sollte er beschreibbar sein, damit Kamille seine Einstellungen dort ablegen kann.
    Meldung „Die Dateien können nicht geöffnet werden“? Windows stuft heruntergeladene Dateien manchmal als „Eingeschränkte Zone“ statt „Internet“ ein und blockiert dann jede Datei im Ordner vollständig – kein Kamille-Fehler. Abhilfe: Rechtsklick auf kamille_v1.19.zip → Eigenschaften → unten das Kästchen „Zulassen“ bzw. „Blockierung aufheben“ ankreuzen → OK → danach neu entpacken. War schon entpackt: alle Dateien im Ordner markieren (Strg+A) → Rechtsklick → Eigenschaften → dasselbe Kästchen setzen.
  2. LibreHardwareMonitor holen.
    Doppelklick auf hole_librehardwaremonitor.bat.
    Das Skript lädt die benötigten Bibliotheken herunter, legt sie in den Unterordner lib\ und hebt die Windows-Herunterladesperre auf. Am Ende meldet es, ob die Fassung passt. Es sind rund drei Dutzend Dateien – deshalb der eigene Ordner.
    Ohne diesen Schritt zeigt Kamille nur die Temperatur der NVIDIA-Grafikkarte. CPU und integrierte Grafik bleiben leer.

    Liegt LibreHardwareMonitor schon auf dem Rechner? Dann ist kein Download nötig. Eingabeaufforderung im Kamille-Ordner öffnen und eingeben:
    python hole_lhm.py "C:\Pfad\zu\LibreHardwareMonitor"
    Zusätzlich empfohlen: PawnIO installieren. Seit September 2025 liest LibreHardwareMonitor die CPU-Temperatur nicht mehr über den häufig von Windows blockierten WinRing0-Treiber, sondern über PawnIO, den von den Entwicklern empfohlenen Ersatz. hole_librehardwaremonitor.bat holt zwar automatisch immer die neueste LibreHardwareMonitor-Fassung, PawnIO selbst muss aber einmalig von Hand installiert werden: pawnio.eu → Download → Installer ausführen → Kamille neu starten. Ohne PawnIO bleibt vor allem die CPU-Temperatur leer, auch wenn alles andere passt. diagnose.bat zeigt unter Punkt 4c, ob PawnIO installiert ist. Diesen Schritt kann man auch überspringen: Kamille prüft bei jedem Programmstart automatisch selbst, ob PawnIO schon installiert ist, und zeigt das Ergebnis im Bereich „Messwerte“ an (neu in 1.15):
    • Installiert: keine besondere Meldung, die Schaltfläche „PawnIO installieren ...“ bleibt ausgegraut.
    • Nicht installiert: der Sensorstatus ergänzt den Hinweis „PawnIO fehlt, dadurch bleibt die CPU-Temperatur meist leer“, und die Schaltfläche „PawnIO installieren ...“ wird anklickbar. Ein Klick (mit Bestätigung) lädt den offiziellen, signierten Installer von pawnio.eu herunter und startet ihn mit der üblichen Windows- Sicherheitsabfrage (UAC).
    Technisch prüft Kamille dazu den Registry-Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\PawnIO (Funktion sensors.pawnio_installiert()) – existiert er, gilt PawnIO als installiert. Das erkennt nur, ob der Treiber registriert ist, nicht ob er von Windows tatsächlich geladen werden darf; ist zusätzlich die Speicherintegrität (Kernisolierung) eingeschaltet, kann die CPU-Temperatur trotz erkanntem PawnIO weiterhin fehlen (siehe Fehlersuche, Kapitel 7).
  3. Programmdatei bauen.
    Doppelklick auf build_kamille.bat.
    Das Skript installiert die benötigten Python-Pakete, lässt alle Tests laufen, prüft die DLL-Fassung und erzeugt am Ende dist\kamille_v1.19.exe. Das dauert beim ersten Mal einige Minuten.
    Schneller ausprobieren? Wer nur kurz hineinschauen will, kann Schritt 3 überspringen und stattdessen start_kamille.bat doppelklicken. Kamille läuft dann direkt aus dem Quelltext – ohne exe, dafür mit Python im Hintergrund.
  4. Kamille starten – als Administrator.
    Rechtsklick auf dist\kamille_v1.19.exe → „Als Administrator ausführen“.
    Nur mit erhöhten Rechten lassen sich die Temperatursensoren auslesen. Damit das künftig automatisch geschieht, im Fenster unter „Automatisch starten“ die Einstellung „Beim Anmelden starten, mit Administratorrechten“ wählen (siehe Kapitel 4).
Windows warnt beim ersten Start. Die exe ist nicht digital signiert. Windows zeigt daher „Der Computer wurde durch Windows geschützt“. Über „Weitere Informationen“ → „Trotzdem ausführen“ starten.

Hat es geklappt?

Im Fenster sollten unter „Messwerte“ Zahlen stehen – mindestens für CPU und GPU. Steht dort „nicht gefunden“, hilft diagnose.bat (per Rechtsklick als Administrator starten). Es prüft alle Voraussetzungen der Reihe nach und nennt zu jedem Befund die konkrete Abhilfe.

2. Bedienung

Was Kamille tut

Kamille erstellt einen eigenen Windows-Energiesparplan namens „Kamille Kuehlmodus“ und begrenzt darin die maximale Prozessorleistung auf einen einstellbaren Wert (Standard: 80 %). Das senkt Taktfrequenz und Spannung der CPU: es entsteht weniger Abwärme, die Lüfter drehen seltener hoch, und bei Notebooks steigt die Akkulaufzeit.

BedienelementWirkung
Kühlmodus aktivieren Schaltet den Energiesparplan ein. Erneutes Klicken wechselt zurück zum vorher aktiven Plan.

Seit 1.19: Ist die Automatik angehakt, verschwindet diese Schaltfläche, und die Statuszeile darüber sagt „Kühlmodus: AUS (wird automatisch geregelt)“. Bis 1.18 blieb sie ausgegraut stehen – das sah nach einem Defekt aus. Zum Schalten von Hand einfach das Häkchen bei „Automatik“ entfernen; die Schaltfläche ist dann sofort wieder da. Der Menüpunkt „Kühlmodus An/Aus“ im Taskleisten-Symbol ist im selben Fall gesperrt.
Schieberegler Legt fest, auf wie viel Prozent die Prozessorleistung begrenzt wird (20–100 %). Änderungen wirken sofort, wenn der Kühlmodus läuft.
Automatik Schaltet den Kühlmodus selbsttätig ein – seit Version 1.18 bei hoher Temperatur oder hoher Auslastung, davor nur bei hoher Auslastung. Einzelheiten im nächsten Abschnitt. Solange sie angehakt ist, bleibt die Schaltfläche „Kühlmodus aktivieren“ gesperrt (siehe oben).
Regelziel (neu in 1.18) Legt fest, wie früh die Automatik eingreift: „Erst am Limit“, „Ausgewogen“ (Standard), „Leise“ oder „Nur Auslastung“ (Verhalten wie bis Version 1.17).
Grenze ändern … (neu in 1.18) Überschreibt die automatisch erkannte Temperaturgrenze des Prozessors. Nur nötig, wenn der erkannte Wert erkennbar falsch ist. Eingabe von 0 stellt den erkannten Wert wieder her.
Angezeigte GPU Legt fest, ob die dedizierte Grafikkarte oder die integrierte Grafik dargestellt wird. Liefert die gewählte keinen Wert, weicht Kamille automatisch auf die andere aus.
Fenster schließen (X) Minimiert nur in die Taskleiste – Kamille läuft weiter. Zum wirklichen Beenden die Schaltfläche „Beenden“ oder das Symbolmenü benutzen. Dabei wird ein aktiver Kühlmodus automatisch zurückgesetzt.
Handbuch (neu in 1.14) Öffnet dieses Handbuch direkt aus dem Programm heraus im Standardbrowser – die Datei Handbuch.html muss dazu wie gewohnt neben dem Programm liegen.
Einstellungen landen in der Datei kamille_config.json neben dem Programm. Ist sie beschädigt, verwendet Kamille wieder die Standardwerte, statt den Start zu verweigern.

Die Automatik: wann Kamille selbst kühlt (neu in 1.18)

Bis Version 1.17 richtete sich die Automatik allein nach der Auslastung: ab 85 % wurde gekühlt, unter 60 % wieder abgeschaltet. Die angezeigte Temperatur war reine Information und hatte auf die Regelung keinen Einfluss. Lief die CPU also bei 36 % Auslastung auf 80 °C, geschah nichts. Seit 1.18 zählt auch die Temperatur.

Die Grenze kommt aus dem Prozessor, nicht vom Benutzer

Jeder Prozessor hat eine Grenztemperatur („TjMax“), ab der er sich selbst drosselt – je nach Modell etwa 100 oder 105 °C. Diese Zahl kennt kaum jemand auswendig, und sie lässt sich nicht sinnvoll raten. Kamille liest sie deshalb selbst aus der Hardware aus, über LibreHardwareMonitor. Der erkannte Wert steht im Fenster unter dem Regelziel, zusammen mit den daraus abgeleiteten Schaltschwellen – zum Beispiel:

Temperaturgrenze: 105 °C (aus der CPU gelesen) - kuehlen ab 90 °C, wieder aus unter 75 °C.

Steht dort angenommen statt gelesen, war die Grenze nicht auslesbar (kommt bei AMD-Prozessoren und ohne Administratorrechte vor). Kamille rechnet dann vorsichtshalber mit 100 °C. Über „Grenze ändern …“ lässt sich der Wert von Hand setzen.

Die Regelziele

Die Schwellen ergeben sich aus der Grenze minus einem Abstand. Beispiel bei 105 °C:

Regelzielkühlen abwieder aus untergedacht für
Erst am Limit100 °C85 °C volle Leistung, Lüfter darf laut werden
Ausgewogen (Standard)90 °C75 °C Abstand zum Dauer-Throttling, ohne ständig zu bremsen
Leise80 °C65 °C ruhiger Lüfter, dafür spürbar weniger Leistung
Nur AuslastungTemperatur wird nicht ausgewertet Verhalten wie bis Version 1.17
Ehrlich gesagt: Vor Schaden schützt keine dieser Einstellungen – das erledigt der Prozessor selbst, in Hardware, bei Erreichen seiner Grenztemperatur. Was die Regelung leisten kann, ist Lüfterlärm und dauerhaftes Throttling zu vermindern. Wer 80 °C bei einer Grenze von 105 °C sieht, hat kein Problem, sondern einen normal arbeitenden Prozessor.

Drei Bremsen gegen ständiges Hin- und Herschalten

Eine reine Temperaturregelung würde schwingen: Die Drosselung senkt die Temperatur, die gesunkene Temperatur schaltet die Drosselung ab, die Temperatur steigt wieder, und so fort. Sobald gekühlt wird, ist die Temperatur nämlich eine Folge der Drosselung und kein unabhängiger Messwert mehr. Kamille verhindert das dreifach:

Liegt vorübergehend keine CPU-Temperatur vor (siehe Kapitel 7), fällt die Automatik still auf die Auslastungsregel zurück und weist im Fenster darauf hin.

Dauerrechner wie BOINC: Solche Programme lasten die CPU stundenlang zu 100 % aus – hier greift bereits die Auslastungsregel, unabhängig vom Regelziel. Zielgenauer als eine allgemeine Drosselung ist in diesem Fall oft die Einstellung des Rechenprogramms selbst: BOINC kennt „Nutze höchstens N % der Prozessoren“ und „Nutze höchstens N % der CPU-Zeit“. Das bremst nur die Rechenaufgaben und nicht die übrige Arbeit am Rechner.

3. Die Taskleisten-Symbole

Windows erlaubt es nicht, neben einem Taskleisten-Symbol einfach Text anzuzeigen. Kamille zeichnet die Zahlen deshalb direkt in die Symbole hinein. Drei Darstellungsarten stehen zur Wahl:

Zwei getrennte Symbole (Standard)

Ein Symbol für die CPU, eines für die GPU. Da jedes nur eine einzige Zahl tragen muss, kann diese die gesamte Fläche ausnutzen – die Ziffern werden dadurch rund doppelt so hoch wie beim kombinierten Symbol und bleiben selbst bei 16 Pixel gut lesbar. Ein farbiger Balken am unteren Rand ordnet sie zu:

KennbalkenBedeutung
BlauCPU
Violettdedizierte Grafikkarte
Türkisintegrierte Grafik

Ein Symbol mit beiden Werten

CPU oben, GPU unten – spart Platz, die Zahlen sind dafür nur halb so hoch.

Nur die Kamillenblüte

Ein Symbol ohne Zahlen. Die Werte erscheinen, wenn der Mauszeiger kurz darauf stehen bleibt. Im Kühlmodus zeigt die Blüte zusätzlich einen blauen Punkt.

Kuehlstatus auf einen Blick (neu in 1.13)

Bei den beiden erstgenannten Darstellungsarten – den zwei getrennten Symbolen und dem kombinierten Symbol – erscheint jetzt oben rechts ein kleiner farbiger Punkt, der unabhängig von den Zahlen zeigt, ob der Kühlmodus gerade läuft:

PunktfarbeBedeutung
Gelb-OrangeKühlmodus aus
Blaugrün/TürkisKühlmodus an

Der farbige Kennbalken am unteren Rand der getrennten Symbole bleibt davon unberührt und zeigt weiterhin nur, welches Symbol CPU bzw. GPU ist.

Farbcodierung

FarbeBereichBedeutung
Grünunter 70 °Cunauffällig
Orange70 bis 84 °Cwarm, unter Last normal
Rotab 85 °Cheiß – Kühlmodus sinnvoll
Grau (--)–kein Messwert verfügbar
Symbole nicht sichtbar? Windows versteckt neue Taskleisten-Symbole gern im Auffangbereich hinter dem Pfeil. Über Einstellungen → Personalisierung → Taskleiste → „Andere Symbole in der Taskleistenecke“ dauerhaft einblenden.

4. Automatisch starten

Das Grundproblem: Ein Autostart-Eintrag in der Registry startet ein Programm beim Anmelden immer ohne erhöhte Rechte. Windows lässt dort grundsätzlich keine Rechteanhebung zu. Ein Registry-Autostart und der für die Sensoren nötige Administratorzugriff schließen sich also gegenseitig aus.

Der einzige von Windows vorgesehene Weg ist eine Aufgabe in der Aufgabenplanung mit der Einstellung „Mit höchsten Privilegien ausführen“. Solche Aufgaben starten beim Anmelden mit Administratorrechten – ohne Sicherheitsabfrage. Kamille legt sie auf Klick selbst an.

EinstellungTemperaturenEinrichtungVerfahren
Nicht automatisch starten–––
Ohne Administratorrechte nur NVIDIA-Karte ohne Adminrechte möglichRegistry-Eintrag
Mit Administratorrechten (empfohlen) alle einmalig Adminrechte nötigAufgabenplanung

Wird die empfohlene Einstellung gewählt, ohne dass Kamille gerade Administratorrechte hat, bietet das Programm den Neustart mit erhöhten Rechten an. Beide Verfahren schließen sich aus – Kamille räumt das jeweils andere ab, damit nie doppelt gestartet wird.

Eigenschaften der angelegten Aufgabe

Sie heißt Kamille Autostart und ist in der Aufgabenplanung (taskschd.msc) einsehbar. Bewusst gesetzt:

EinstellungWertWarum
Mit höchsten Privilegienjaohne sie keine Sensorwerte
Auslöserbei Anmeldung, 20 s Verzögerung gibt Windows Zeit, den Infobereich aufzubauen – sonst erscheinen die Symbole mitunter nicht
Start nur im Netzbetriebnein Windows-Vorgabe wäre „ja“. Bei einem Notebook-Werkzeug wäre das unsinnig
Beenden bei Wechsel auf Akkunein Kamille soll weiterlaufen, wenn das Netzteil abgezogen wird
Laufzeitbegrenzungkeine Windows würde die Aufgabe sonst nach drei Tagen beenden

Beim Start minimiert (neu in 1.13)

Das zusätzliche Häkchen „Beim Start minimiert (in der Taskleiste) starten“ sorgt dafür, dass Kamille direkt als Taskleistensymbol erscheint, ohne das Fenster kurz aufblitzen zu lassen. Praktisch in Kombination mit dem Autostart, wenn das Fenster beim Anmelden nicht stören soll. Über das Taskleistensymbol (Doppelklick oder „Fenster anzeigen“ im Rechtsklickmenü) lässt es sich jederzeit wieder öffnen.

5. Woher die Temperaturen kommen

Kamille probiert mehrere Quellen der Reihe nach und nimmt jeweils den ersten brauchbaren Wert:

#QuelleLiefertVoraussetzung
1LibreHardwareMonitorCPU, integrierte Grafik, NVIDIA-Karte Bibliotheken im Programmordner und Administratorrechte
2nvidia-sminur NVIDIA-Karte NVIDIA-Treiber (normalerweise vorhanden), keine Adminrechte
3psutilCPU (praktisch nur unter Linux)keine
Häufige Rückfrage: Muss LibreHardwareMonitor vorher gestartet werden?
Nein. Kamille verwendet nicht das Programm LibreHardwareMonitor, sondern nur dessen Programmbibliotheken. Diese liegen als Dateien neben Kamille und werden beim Start direkt in den eigenen Prozess geladen. Es läuft kein zweites Programm, nichts muss vorher gestartet werden, und es gehört auch nichts zusätzlich in den Autostart.

Warum Administratorrechte?

Die Temperatursensoren sitzen in Chips auf der Hauptplatine, die nur über direkte Hardwarezugriffe erreichbar sind. Windows erlaubt das ausschließlich Programmen mit erhöhten Rechten. Ohne Administratorrechte läuft Kamille zwar vollständig – Kühlmodus und Automatik funktionieren – aber CPU- und iGPU-Temperatur bleiben leer.

Zwei Archive – nur eines passt! Das Projekt LibreHardwareMonitor veröffentlicht je Version zwei ZIP-Dateien:
ArchivGebaut fürPasst zu Kamille?
LibreHardwareMonitor.zip.NET Framework ja – dieses nehmen
LibreHardwareMonitor.NET.10.zip.NET 10 nein
Kamille spricht über pythonnet mit .NET, und pythonnet nutzt unter Windows das .NET Framework. Das mitgelieferte Skript wählt automatisch richtig; bei Handarbeit darauf achten. Kamille erkennt eine unpassende Fassung und sagt das deutlich.

Bei Handarbeit gilt außerdem: alle .dll-Dateien aus dem Archiv kopieren, nicht nur LibreHardwareMonitorLib.dll. Die Hilfsbibliotheken wie System.Memory.dll werden ebenfalls gebraucht – sonst lassen sich die Sensoren nicht öffnen. Anschließend bei allen Dateien: Rechtsklick → Eigenschaften → unten „Zulassen“ ankreuzen.

6. Kamille mitnehmen oder verschieben

Kamille ist bewusst portabel gebaut. Der Ordner lässt sich verschieben, auf einen USB-Stick kopieren oder auf einen anderen Rechner mitnehmen.

WasWie es gelöst ist
Einstellungen liegen als kamille_config.json neben dem Programm und wandern mit. Ist der Ordner schreibgeschützt (etwa unter C:\Programme), weicht Kamille auf den Benutzerordner aus.
Bibliotheken werden beim Bauen in die exe eingebaut. Eine daneben abgelegte Datei hat Vorrang – so lässt sich eine neuere Fassung nachlegen, ohne neu zu bauen.
Autostart nach Verschieben Ein alter Eintrag zeigt ins Leere. Kamille erkennt das beim Start und stellt ihn auf die jetzige Programmkopie um. Bei der Aufgabenplanung sind dafür Administratorrechte nötig.

Auf einem neuen Rechner

  1. Ordner hinüberkopieren.
  2. Ist Python dort nicht installiert und wurde die exe bereits gebaut: exe direkt starten – Python wird dafür nicht gebraucht.
  3. Soll neu gebaut werden: Python installieren und build_kamille.bat ausführen.
  4. Autostart im Fenster einmal neu setzen, falls er gewünscht ist.

7. Fehlersuche

Zuerst immer: diagnose.bat per Rechtsklick als Administrator ausführen. Es prüft alle Voraussetzungen der Reihe nach, entfernt Windows-Sperren gleich selbst und nennt zu jedem Befund die Abhilfe.
Vorab, damit niemand vergeblich sucht: Auf manchen Geräten erscheint trotz korrekter Installation keine CPU-Temperatur. Die Ursachen stehen gleich unten – fehlender PawnIO-Treiber, eingeschaltete Speicherintegrität (HVCI) oder die Windows-Treibersperrliste. Die ersten beiden lassen sich beheben, die dritte in Einzelfällen nicht ohne Sicherheitseinbußen. Kamille regelt dann seit Version 1.18 allein nach der CPU-Auslastung weiter und weist im Fenster darauf hin; GPU-Temperaturen sind davon nicht betroffen.
ProblemUrsache und Lösung
CPU-Temperatur zeigt „nicht gefunden“ Bibliotheken fehlen oder Kamille läuft ohne Administratorrechte. Der Hinweistext im Fenster nennt den konkreten Grund.
CPU (und oft auch iGPU) zeigen „nicht verfügbar“, obwohl LibreHardwareMonitor als aktiv gemeldet wird und Kamille als Administrator läuft – die dedizierte GPU funktioniert dabei Drei mögliche Ursachen, diagnose.bat prüft sie der Reihe nach (Punkte 3, 4c und die Meldung bei Punkt 7):

1. PawnIO fehlt. Seit September 2025 braucht LibreHardwareMonitor diesen Treiber statt des veralteten WinRing0 für den CPU-Zugriff, er wird aber nicht automatisch mitinstalliert. Das ist mit Abstand die häufigste Ursache bei einer neu heruntergeladenen LibreHardwareMonitor-Fassung. Abhilfe seit Version 1.15: im Fenster unter „Messwerte“ auf „PawnIO installieren ...“ klicken – Kamille lädt den offiziellen Installer von pawnio.eu herunter und startet ihn (mit der üblichen Windows-Sicherheitsabfrage). Alternativ von Hand: pawnio.eu → Installer ausführen → Kamille neu starten.

2. Speicherintegrität (Kernisolierung) ist eingeschaltet. Windows blockiert dann den Treiber, mit dem CPU-Temperatur und interne Grafik ausgelesen werden. Abhilfe: Windows-Sicherheit → Gerätesicherheit → Kernisolierungsdetails → Speicherintegrität ausschalten → Neustart.

3. PawnIO ist installiert und Speicherintegrität ist bereits aus, der Wert fehlt trotzdem. Dann meist Windows' seit Version 22H2 fest eingebaute Sperrliste für riskante Treiber, oder Windows Defender hat eine Treiberdatei in Quarantäne verschoben. Prüfen: Windows-Sicherheit → Viren- & Bedrohungsschutz → Schutzverlauf/Quarantäne, sowie Ereignisanzeige → Windows-Protokolle → System → Suche nach „CodeIntegrity“. Diese Sperre lässt sich nur mit spürbaren Sicherheitseinbußen umgehen, Kamille rät davon ab.

In allen drei Fällen bleibt die GPU-Temperatur zuverlässig, da sie ohne riskanten Treiber über NVAPI ausgelesen wird.

diagnose.bat zeigt den jeweils passenden Befund direkt an.
Viele fremde Dateien im ProgrammordnerAus einer Fassung vor 1.7. hole_librehardwaremonitor.bat einmal ausführen – es verschiebt sie nach lib\.
„Die Dateien können nicht geöffnet werden“ beim Doppelklick auf eine Datei aus dem ZIP Windows hat den Download als „Eingeschränkte Zone“ markiert und blockiert die Ausführung komplett (härter als die übliche SmartScreen-Warnung, kommt vom Attachment-Manager, nicht von Kamille). Abhilfe: Rechtsklick auf die .zip-Datei → Eigenschaften → unten das Kästchen „Zulassen“ bzw. „Blockierung aufheben“ ankreuzen → OK → danach neu entpacken. Ist der Ordner schon entpackt: alle Dateien markieren (Strg+A) → Rechtsklick → Eigenschaften → dasselbe Kästchen setzt die Sperre für die gesamte Auswahl zurück.
„Die Datei oder Assembly System.Memory ... wurde nicht gefunden“ Es fehlen Hilfsbibliotheken. hole_librehardwaremonitor.bat erneut ausführen, oder alle .dll-Dateien aus dem entpackten LibreHardwareMonitor-Ordner hierher kopieren.
„No module named LibreHardwareMonitor“ Die DLL lässt sich nicht laden. Meist die falsche Archivfassung (.NET 10 statt .NET Framework) oder die Windows-Herunterladesperre. hole_librehardwaremonitor.bat erneut ausführen.
GPU-Temperatur fehlt trotz NVIDIA-Karte Bei Notebooks mit Umschaltgrafik schaltet sich die Karte im Leerlauf ab und meldet dann keinen Wert. Unter Last erscheint sie wieder.
iGPU-Temperatur fehlt dauerhaft Häufigste Ursache: Bei aktiver dedizierter Grafikkarte wird die interne Grafik auf vielen Rechnern im BIOS abgeschaltet, dann gibt es keinen aktiven Sensor – kein Fehler. Sonst: nicht jede Intel-Generation besitzt einen eigenen Grafik-Temperatursensor. Fehlt er in LibreHardwareMonitor selbst, kann Kamille ihn auch nicht anzeigen.
Nach dem Anmelden fehlen die Temperaturen Der Autostart läuft über die Registry und damit ohne Adminrechte. Auf „mit Administratorrechten“ umstellen.
Zahlen im Symbol zu klein Auf „Zwei Symbole“ umschalten – dort sind die Ziffern etwa doppelt so groß. Alternativ „Nur Kamillenblüte“ wählen und die Werte per Mauszeiger ablesen.
Nur ein Symbol sichtbar statt zwei Windows blendet neue Symbole oft im Auffangbereich hinter dem Pfeil aus. In den Taskleisten-Einstellungen dauerhaft einblenden.
Windows-Warnung beim Start der exe Die exe ist nicht signiert. Über „Weitere Informationen“ → „Trotzdem ausführen“ starten.
Absturz direkt beim Start der exe: „FileNotFoundError: Tcl data directory ... not found“ (in pyi_rth__tkinter) Kein Fehler in Kamille selbst, sondern ein bekannter PyInstaller-Bug rund um die Tcl/Tk-Daten von tkinter, der bei älteren PyInstaller-Fassungen unter neueren Python-Versionen (z. B. 3.14) auftreten kann. Ursache meist: eine bereits installierte, aber veraltete PyInstaller-Fassung wurde beim Bauen nicht aktualisiert – pip install -r requirements.txt lässt eine schon passende Version unangetastet. Abhilfe (seit 1.16 bereits in build_kamille.bat eingebaut, bei älteren selbst geholten Programmordnern von Hand):
python -m pip install --upgrade pyinstaller
anschließend die Ordner build\ und dist\ löschen und neu bauen (build_kamille.bat nutzt dafür jetzt automatisch --clean).
diagnose.bat oder build_kamille.bat bricht ab mit „'koennen' kann syntaktisch an dieser Stelle nicht verarbeitet werden.“ (oder einer ähnlichen Meldung mit einem anderen Wort) War ein Bug in Kamille 1.15/1.16 selbst, behoben in 1.17: cmd.exe zählt runde Klammern innerhalb eines if(...)-Blocks rein textuell, sogar in Anführungszeichen. Eine Klammer in einem Hinweistext innerhalb eines solchen Blocks wurde faelschlich als Blockende erkannt. Abhilfe: die aktuelle ZIP verwenden (Version 1.17 oder neuer) – dort sind die betroffenen Texte umformuliert, und ein automatisierter Test (test_batch_dateien_haben_keine_klammern_in_if_bloecken) verhindert eine Rückkehr dieses Fehlers.

8. Enthaltene Dateien

Ordnerstruktur

Kamille\
  kamille.py, sensors.py, ...     Programmdateien
  kamille_config.json             Ihre Einstellungen
  lib\                            LibreHardwareMonitor (rund 30 Dateien)
  dist\kamille_v1.19.exe           die gebaute Programmdatei

Der Unterordner lib\ hält die Fremdbibliotheken vom Programm getrennt. Kamille selbst besitzt keine einzige .dll.

Programm

DateiZweck
kamille.pyHauptprogramm mit Oberfläche und Kühllogik
sensors.pyAuslesen der CPU- und GPU-Temperaturen
icons.pyErzeugung der Symbole
autostart.pyAutostart über Registry bzw. Aufgabenplanung
kamille.icoProgrammsymbol (16 bis 256 Pixel)

Einrichtung und Bauen

DateiZweck
hole_librehardwaremonitor.batholt die Bibliotheken (ruft hole_lhm.py auf)
hole_lhm.pyder eigentliche Download
build_kamille.battestet, prüft und baut die exe
start_kamille.batstartet Kamille direkt aus dem Quelltext
kamille.specBauanleitung für PyInstaller
requirements.txtListe der benötigten Python-Pakete
pruefe_dll.pyprüft vor dem Bauen die Fassung der DLL

Prüfung

DateiZweck
diagnose.bat / diagnose.pyfindet heraus, warum Temperaturen fehlen
run_tests_manual.py270 automatisierte Tests, laufen ohne Zusatzpakete
test_kamille.pymacht dieselben Tests für pytest verfügbar
Handbuch.htmldieses Dokument

Hinweise für Entwickler

Die Tests decken die gesamte plattformunabhängige Logik ab: Konfiguration, powercfg-Befehle, Automatik samt Temperaturregelung und Zeitbremsen, Ermittlung der Grenztemperatur, Selbstheilung der Sensorverbindung, Auswertung der nvidia-smi-Ausgabe, Verarbeitung des LibreHardwareMonitor-Sensorbaums (mit Attrappen, ohne echte Hardware), Archiv-Auswahl, Symbolerzeugung, Fenstergröße und Autostart-XML.

python run_tests_manual.py     <- funktioniert immer
python -m pytest -v            <- falls pytest installiert ist

Oberfläche (tkinter), Taskleisten-Symbol (pystray) und Registry-Zugriffe sind nicht automatisiert getestet, da sie ein laufendes Windows-Desktop-System voraussetzen.

9. Deinstallation

  1. Im Fenster unter „Automatisch starten“ auf „Nicht automatisch starten“ klicken. Bei der Aufgabenvariante sind dafür Administratorrechte nötig.
  2. Kamille beenden (Schaltfläche „Beenden“, nicht nur das Fenster schließen).
  3. Den Ordner löschen.
  4. Optional: den Energiesparplan „Kamille Kuehlmodus“ in den Windows-Energieoptionen entfernen.

10. Versionshistorie

Version 1.19

Version 1.18

Version 1.17

Version 1.16

Version 1.15

Version 1.14

Version 1.13

Version 1.12

Version 1.11

Version 1.10

Version 1.9

Version 1.8

Version 1.7

Version 1.6

Version 1.5

Version 1.4

Version 1.3

Version 1.2

Version 1.1

Version 1.0

Kamille v1.19
Autor: Bernhard Lickert
Entwickelt mit Claude (Anthropic)
Copyright © 2026 Bernhard Lickert

Haftungsausschluss: Diese Software wird ohne jegliche Gewährleistung bereitgestellt. Die Nutzung erfolgt vollständig auf eigenes Risiko. Der Autor übernimmt keinerlei Haftung für Schäden, Datenverlust, Hardwareschäden oder sonstige Folgen, die direkt oder indirekt durch die Nutzung dieser Software entstehen.

Fremdkomponenten: LibreHardwareMonitor steht unter der Mozilla Public License 2.0 und ist nicht Bestandteil dieser Auslieferung; es wird bei Bedarf direkt vom Projekt bezogen.