Android Filer BL

Zwei-Fenster-Dateimanager für Android-Geräte am USB-Kabel
Version 1.0.2  ·  Stand 18.09.2026

1. Wozu dieses Programm

Android Filer BL zeigt zwei Dateilisten nebeneinander: links den PC, rechts das am USB-Kabel angeschlossene Android-Gerät. Dateien und ganze Ordner lassen sich per Knopfdruck oder mit der Maus zwischen beiden Seiten verschieben – in beide Richtungen.

Der eigentliche Anlass: viele Gigabyte Fotos vom Handy auf den Laptop holen. Genau dafür ist das Programm ausgelegt – mit einem Modus, der beim zweiten Durchlauf nur noch das überträgt, was wirklich fehlt.

Warum nicht einfach der Windows-Explorer?

Weil Windows ein Android-Handy am Kabel nicht als Laufwerk einbindet, sondern über das MTP-Protokoll anspricht. Das hat keine echten Dateipfade, keine übertragbaren Zeitstempel und bricht bei großen Mengen gern ab. Abschnitt 10 erklärt die Einzelheiten.

2. Einmalige Vorbereitung am Handy

Das Programm spricht das Handy über die Android Debug Bridge (adb) an. Dafür muss am Handy einmalig das USB-Debugging freigeschaltet werden. Das ist in zwei Minuten erledigt und bleibt dauerhaft eingestellt.

  1. Entwickleroptionen freischalten.
    Am Handy: Einstellungen ▸ Über das Telefon (je nach Hersteller auch System ▸ Über das Telefon). Dort siebenmal hintereinander auf Build-Nummer tippen. Nach ein paar Tippern erscheint ein Hinweis wie „Sie sind jetzt Entwickler".
  2. USB-Debugging einschalten.
    Einstellungen ▸ System ▸ Entwickleroptionen öffnen und den Schalter USB-Debugging aktivieren. Die Nachfrage bestätigen.
  3. Kabel anschließen.
    Ein Kabel verwenden, das Daten überträgt – reine Ladekabel funktionieren nicht. Am besten das Originalkabel.
  4. Am Handy den PC bestätigen.
    Beim ersten Anschließen erscheint am Handy der Dialog „USB-Debugging zulassen?" mit einem Fingerabdruck. Den Haken bei „Diesem Computer immer vertrauen" setzen und auf Zulassen tippen.
  5. USB-Modus prüfen.
    In der Benachrichtigungsleiste des Handys auf die USB-Meldung tippen und Dateiübertragung (MTP) wählen, nicht Nur laden.
Der Bestätigungsdialog erscheint nicht?

Dann wurde er vermutlich früher schon einmal weggetippt. Abhilfe: in den Entwickleroptionen auf USB-Debugging-Autorisierungen widerrufen tippen, Kabel abziehen, neu anstecken. Der Dialog kommt dann wieder.

Und adb selbst?

Darum kümmert sich das Programm. Beim ersten Start prüft es, ob adb vorhanden ist. Falls nicht, bietet es an, die offiziellen Google platform-tools (etwa 12 MB) herunterzuladen und im Unterordner tools\ abzulegen. Ein Klick genügt, eine Installation ist nicht nötig.

Wer das lieber von Hand macht: Das Archiv gibt es bei developer.android.com. Den enthaltenen Ordner platform-tools in den Unterordner tools\ neben das Programm entpacken.

3. Programm starten

Empfohlener Weg: die fertige Programmdatei (EXE)

Im Alltag wird Android Filer BL über dist\AndroidFilerBL.exe gestartet – per Doppelklick, wie jedes andere Windows-Programm. Das ist der vorgesehene und in jeder Hinsicht bessere Startweg:

Die EXE existiert nach dem Auspacken noch nicht, sie wird einmalig gebaut:

  1. Alle Dateien des ZIP-Archivs in einen Ordner entpacken, in dem sie bleiben sollen (zum Beispiel C:\Programme-BL\AndroidFilerBL\).
  2. build_exe.bat doppelklicken. Der Bau lädt beim ersten Mal PyInstaller nach und dauert einige Minuten.
  3. Fertig: dist\AndroidFilerBL.exe. Diese Datei ist ab jetzt der Startpunkt.
Die EXE braucht ihre Nachbarn

Damit der Handbuch-Knopf im Programm funktioniert und die einmal geladenen platform-tools wiedergefunden werden, gehören neben dist\AndroidFilerBL.exe:

Alternativ die EXE einfach in ihrem dist\-Ordner lassen und Handbuch.html sowie tools\ dorthin kopieren.

Alternativer Weg: Start aus dem Python-Quelltext

Für Entwicklung und zum Ausprobieren, bevor die EXE gebaut ist:

4. Die Oberfläche

Das Fenster ist in zwei gleichwertige Hälften geteilt. Die Trennlinie in der Mitte lässt sich mit der Maus verschieben; die Einstellung bleibt erhalten.

BereichBedeutung
Linke Hälfte Dieser PC. Oben die Auswahlliste der Laufwerke und einiger Standardordner (Downloads, Bilder, Dokumente).
Rechte Hälfte Das Android-Gerät. Oben die Schnellziele: Interner Speicher, Kamera (DCIM), Bilder, Download, Filme, Musik, Dokumente.
Pfadzeile Zeigt den aktuellen Ordner. Ein Pfad lässt sich auch von Hand eintippen und mit Enter ansteuern. ↑ geht eine Ebene höher, ↻ liest neu ein.
Filterzeile Blendet aus der Liste alles aus, was den eingegebenen Text nicht im Namen trägt. Für „nur die JPGs" genügt .jpg.
Dateiliste Vier Spalten: Name, Größe, Geändert, Typ. Ein Klick auf eine Spaltenüberschrift sortiert danach – Ordner bleiben dabei immer oben.
Statuszeile je Seite Anzahl Ordner und Dateien, Gesamtgröße und – sobald etwas markiert ist – wie viel ausgewählt wurde.
Statusleiste unten Rechts der Zustand des Geräts, links Rückmeldungen zur letzten Aktion.

5. Dateien kopieren

Der übliche Ablauf

  1. Auf der Zielseite den Ordner ansteuern, in den kopiert werden soll. Zum Beispiel links den Ordner D:\Fotos\2026.
  2. Auf der Quellseite auswählen, was übertragen werden soll. Mehrfachauswahl wie gewohnt mit Strg beziehungsweise Umschalt, alles markieren mit Strg+A. Ein ganzer Ordner darf ausgewählt werden – er wird mitsamt Inhalt und Unterordnern übertragen.
  3. Auf „← Zum PC kopieren" (F5) oder „Zum Handy kopieren →" (F6) klicken.
  4. Das Fortschrittsfenster zeigt beide Balken: unten die aktuelle Datei, oben den Gesamtfortschritt mit Geschwindigkeit und geschätzter Restzeit. Abbrechen hält jederzeit an; bereits kopierte Dateien bleiben erhalten.

Mit der Maus ziehen

Markierte Einträge lassen sich von der einen Fensterhälfte in die andere ziehen. Das Ziel ist immer der Ordner, der in der Zielhälfte gerade offen ist – nicht der Eintrag, auf dem losgelassen wird.

Auch aus dem Windows-Explorer heraus lässt sich in die rechte Hälfte ziehen: Dateien aus einem Explorer-Fenster auf die Android-Seite fallen lassen, und sie landen im dort geöffneten Ordner.

„Nur fehlende/neuere Dateien"

Der Schalter in der Werkzeugleiste entscheidet, wie mit bereits vorhandenen Dateien umgegangen wird:

ZustandWirkungWann sinnvoll
Ein
(Voreinstellung)
Vor der Übertragung wird verglichen. Dateien, die am Ziel schon in gleicher Größe und mit gleichem Zeitstempel liegen, werden übersprungen. Eine Abweichung von bis zu zwei Sekunden gilt als gleich – manche Dateisysteme speichern die Uhrzeit nur so genau. Beim wiederholten Sichern derselben Kameraordner. Statt 40 GB werden nur die neuen Aufnahmen geholt.
Aus Alles wird übertragen und am Ziel überschrieben. Wenn eine Datei am Ziel beschädigt ist oder bewusst frisch geholt werden soll.
Zeitstempel bleiben erhalten

Beim Holen vom Handy überträgt das Programm das Änderungsdatum der Datei mit. Ein Foto vom Juli 2024 behält auf dem PC den Juli 2024 – wichtig, damit Bilderverwaltungen richtig sortieren.

6. Ordnen, umbenennen, löschen

Alle drei Aktionen wirken auf die aktive Seite – das ist die, in der zuletzt geklickt wurde. Sie sind über die Werkzeugleiste, das Kontextmenü (rechte Maustaste) und Tastenkürzel erreichbar.

AktionVerhalten
Neuer Ordner F7 Legt im gerade geöffneten Ordner einen neuen an. Ein bereits vorhandener Name wird abgelehnt.
Umbenennen F2 Benennt genau einen ausgewählten Eintrag um. Ist der Zielname schon vergeben, bricht das Programm mit einer Meldung ab, statt stillschweigend nichts zu tun.
Löschen Entf Auf dem PC wandert das Gelöschte in den Papierkorb. Auf dem Handy wird es endgültig entfernt.
Löschen auf dem Handy ist endgültig

Android kennt keinen Papierkorb für den internen Speicher. Was hier gelöscht wird, ist weg – es gibt keine Rücknahme, weder im Programm noch am Handy. Das Programm fragt deshalb vor jedem Löschvorgang auf der Android-Seite ausdrücklich nach und listet auf, was betroffen ist. Diese Nachfrage bitte wirklich lesen.

Empfehlung: Fotos erst auf den PC holen, dort prüfen, dass sie vollständig angekommen sind, und erst danach auf dem Handy löschen.

7. Tastenkürzel

TasteWirkung
F1Dieses Handbuch öffnen
F2Ausgewählten Eintrag umbenennen
F5Auswahl der rechten Seite zum PC kopieren
F6Auswahl der linken Seite zum Handy kopieren
F7Neuen Ordner anlegen
Strg+GAngeschlossene Geräte neu suchen
EntfAuswahl löschen
Strg+RBeide Seiten neu einlesen
RücktasteEine Ordnerebene höher
EnterOrdner öffnen; auf der PC-Seite Datei mit dem Standardprogramm öffnen
Strg+AAlles in der Liste markieren

8. Ordnerstruktur

AndroidFilerBL\
├─ AndroidFilerBL.py        Programm (Quelltext)
├─ AndroidFilerBL.pyw       gleiches Programm, Start ohne Konsolenfenster
├─ AndroidFilerBL.spec      Bauvorschrift für die EXE
├─ Handbuch.html            dieses Handbuch
├─ README.md                Kurzfassung
├─ requirements.txt         benötigte Python-Pakete
├─ setup.bat                richtet die Python-Umgebung ein
├─ start.bat                startet aus dem Quelltext
├─ build_exe.bat            baut die EXE  ← einmalig ausführen
├─ icon.ico, icon_512.png   Programmsymbol
│
├─ .venv\                   lokale Python-Umgebung (entsteht beim ersten Start)
├─ tools\platform-tools\    adb (entsteht beim ersten Download)
├─ data\                    Einstellungen und Protokolle
│   ├─ config.json          gemerkte Pfade, Fenstergröße, Schalterstellung
│   ├─ androidfiler.log     Ablaufprotokoll
│   ├─ crash.log            unerwartete Fehler mit voller Beschreibung
│   └─ absturz_hart.log     nur bei einem Absturz unterhalb von Python
└─ dist\AndroidFilerBL.exe  die fertige Programmdatei  ← Startpunkt im Alltag

Das Programm ist portabel: Es schreibt ausschließlich in seinen eigenen Ordner, nichts in die Registrierung, nichts ins Benutzerprofil. Der ganze Ordner lässt sich auf einen USB-Stick kopieren und anderswo weiterverwenden.

9. Wenn etwas nicht klappt

Meldung oder SymptomUrsache und Abhilfe
„Kein Android-Gerät gefunden" Der Reihe nach prüfen: Ist das Kabel datenfähig (kein reines Ladekabel)? Steht der USB-Modus am Handy auf Dateiübertragung? Ist USB-Debugging in den Entwickleroptionen eingeschaltet? Danach Strg+G drücken. Hilft das nicht: anderen USB-Anschluss verwenden, möglichst direkt am Rechner statt über einen Verteiler.
Zustand „unauthorized" Das Handy wartet auf Ihre Bestätigung. Am Handy erscheint der Dialog „USB-Debugging zulassen?" – bestätigen, Haken bei „immer vertrauen" setzen, dann Strg+G. Kommt kein Dialog: Entwickleroptionen ▸ USB-Debugging-Autorisierungen widerrufen, Kabel neu anstecken.
Zustand „offline" Meist eine hängende Verbindung. Kabel abziehen, fünf Sekunden warten, wieder anstecken, Strg+G. Hartnäckige Fälle löst ein Neustart des Handys.
Ordner Android\data ist leer oder nicht lesbar Kein Fehler des Programms. Ab Android 11 sperrt das Betriebssystem diesen Bereich für Zugriffe von außen ab. Betroffen sind App-interne Daten – Fotos, Downloads und Dokumente sind davon nicht berührt.
Das Einlesen eines großen Ordners dauert Bei einigen tausend Bildern in einem Ordner braucht das Gerät ein paar Sekunden. Das Fenster bleibt dabei bedienbar; die Statuszeile zeigt „Wird gelesen …".
Übertragung bricht mit einer Fehlermeldung ab Am Ende wird aufgelistet, welche Dateien betroffen waren. Alle anderen sind angekommen. Die Übertragung mit eingeschaltetem Schalter „Nur fehlende/neuere Dateien" einfach erneut starten – sie setzt dort an, wo es fehlte.
Der Download der platform-tools schlägt fehl Meist eine Firewall oder ein zeitweiliges Netzproblem. Alternativ von Hand laden (siehe Abschnitt 2) und den Ordner platform-tools nach tools\ entpacken.
Das Programm startet gar nicht Nachsehen in data\crash.log – dort landet jede Startausnahme mit vollständiger Fehlerbeschreibung. Beim Quelltext-Weg zusätzlich prüfen, ob Python installiert ist.
Ein Fehlerdialog „unerwarteter Fehler" erscheint Seit Version 1.0.2 fängt das Programm unerwartete Fehler ab, statt sich stumm zu beenden. Der vollständige Wortlaut steht in data\crash.log; diese Datei bei einer Fehlermeldung bitte mitschicken. Das Programm lässt sich danach in der Regel neu starten.
Etwas verhält sich merkwürdig data\androidfiler.log enthält den Ablauf mit Zeitstempeln. Die letzten Zeilen vor dem Problem sind meist aufschlussreich.

10. Technischer Hintergrund

Warum adb und nicht MTP

Wird ein Android-Gerät am Kabel angeschlossen, meldet es sich bei Windows nicht als Laufwerk, sondern als MTP-Gerät (Media Transfer Protocol). Der Explorer zeigt zwar eine Ordnerstruktur, diese existiert aber nur innerhalb der Windows-Oberfläche. Es gibt keinen Laufwerksbuchstaben und keinen Pfad, den ein Programm ansprechen könnte.

Für ein Werkzeug, das viele Gigabyte zuverlässig überträgt, fehlen MTP die entscheidenden Eigenschaften:

Die Android Debug Bridge umgeht all das: Sie spricht direkt mit dem Dateisystem des Geräts, kennt echte Pfade, überträgt mit adb pull -a die Zeitstempel mit und läuft mit voller USB-Geschwindigkeit.

Wie das Programm einen Ordner liest

Für jeden Ordner setzt das Programm einen einzigen Aufruf ab, der auf dem Gerät die Namen auflistet und die Eigenschaften gebündelt abfragt. Das ist bei tausenden Dateien um ein Vielfaches schneller, als jede Datei einzeln abzufragen. Falls das Gerät den dafür nötigen Befehl nicht kennt, weicht das Programm selbsttätig auf eine einfachere Auflistung aus.

Threads

Einlesen und Übertragen laufen in eigenen Hintergrundsträngen, damit das Fenster bedienbar bleibt. Diese Stränge fassen nie selbst ein Bedienelement an, sondern melden sich ausschließlich über Signale zurück – ein Grundsatz, der bei einem Schwesterprogramm des Autors auf die harte Tour gelernt wurde. Beim Beenden wird auf jeden laufenden Strang gewartet, damit kein unsichtbarer Prozess zurückbleibt.

11. Grenzen des Programms

12. Versionsgeschichte

VersionDatumÄnderungen
1.0.2 18.09.2026 Das Tastenkürzel für „Gerät suchen" war F9. Auf Notebook-Tastaturen – etwa ThinkPad – sind die oberen F-Tasten im Fn-Layer mit Systemfunktionen belegt (dort Druck) und erreichen das Programm gar nicht. Ersetzt durch Strg+G, passend zu Strg+R fürs Aktualisieren. Keine weiteren Änderungen gegenüber 1.0.1.
1.0.1 18.09.2026 Absturzbehebung. In Version 1.0.0 beendete sich das Programm kommentarlos, sobald „Gerät suchen" ein zweites Mal ausgelöst wurde – und ebenso beim zweiten Ordnerwechsel. Ursache: Die Hintergrundstränge wurden nach getaner Arbeit freigegeben, das Programm fragte danach aber noch ab, ob sie noch laufen. Der Zugriff auf ein bereits freigegebenes Objekt löst in Qt einen Fehler aus, der das Programm ohne Meldung beendet. Behoben: Jede solche Abfrage geht jetzt durch eine Schutzfunktion, und die Verweise werden gelöst, bevor der Strang freigegeben wird.
Zusätzlich neu: ein Fehlerprotokoll. Unerwartete Fehler landen ab sofort in data\crash.log und werden in einem Dialog angezeigt, statt das Programm stumm zu beenden – genau das hatte die Ursachensuche bei 1.0.0 erschwert.
1.0.0 18.09.2026 Erste Fassung. Zwei-Fenster-Oberfläche mit PyQt6, Zugriff auf das Android-Gerät über adb, Kopieren in beide Richtungen mit Fortschritt und Abbruch, Ziehen mit der Maus zwischen den Hälften und aus dem Explorer, Modus „Nur fehlende/neuere Dateien", Ordner anlegen, umbenennen, löschen auf beiden Seiten, Filter- und Sortierfunktion, selbsttätiger Bezug der platform-tools, portable Ablage aller Einstellungen im Programmordner.